• ZdF Nr. 43/2019
    Bd. 43 Nr. 43 (2019)

    Der Wert des Erinnerungsvermögens läßt sich schwer bemessen. Manchen bedeutet es viel, andere möchten lieber nicht an Vergangenes erinnert werden. Nach dem Untergang politischer Systeme plagen sich Angehörige der Erlebnisgeneration in der Regel mit Erinnerungsdilemmata herum. Der Blick zurück im Zorn speist sich aus anderen Quellen als nostalgische Reminiszenzen an verschwundene Lebenswelten. Die Erinnerungsvermögen ehemaliger politischer DDR-Häftlinge sind mit schweren Hypotheken belastet. Ehemalige Systemträger lamentieren noch immer über das ihnen nach der Wiedervereinigung angetane Unrecht, während die Zufriedenheitsskala der 1990 beitrittswilligen Bevölkerungsmehrheit sich im grünen Bereich bewegt. Der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe befaßt sich mit umstrittenen Feldern der Erinnerungslandschaft.

  • ZdF Nr. 42/2018
    Bd. 42 Nr. 42 (2018)

    Der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe befasst sich mit den Folgen des kommunistischen Umsturzes von 1917 und der Staatsgewalt, die hernach den sowjetischen Machthabern zur zügellosen Unterdrückung aller Andersdenkenden oder Andersgläubigen diente. Einmal an der Macht, plagte die Kommunisten die ständige Furcht vor einem Umsturz durch die Konterrevolution. Sie schufen sich gigantische Sicherheitsapparate als Organe ihrer Staatsgewalt, die auf vielfältige Weise Angst und Schrecken unter den Beherrschten zu verbreiten wussten. Angefangen vom Massenmord und Totschlag bis zu den in späteren Zeiten angewandten differenzierteren Methoden der Bedrohung, Überwachung, Einschüchterung und psychischen Zersetzung von Andersdenkenden. Einen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse erträumten sich auch viele 68er vor 50 Jahren. Als teilnehmende Beobachter bewegten sich in ihren Reihen wie Fische im Wasser auch einige Agenten des MfS. Das wird beim aktuellen Jubiläumfeiern gerne vergessen. Manche dieser Verstellungskünstler dienten zugleich auch der westdeutschen Staatsmacht, deren Verfassungsschutz in der damaligen Zeit die umstürzlerischeren Reden Rudi Dutschkes zu entschlüsseln suchte. Auch das gehört zum Schwerpunkt Umsturz und Staatgewalt.

    Die Zeitschrift kann auf der Internetseite des Forschungsverbundes (https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/zdf/index.html) erworben werden.

  • ZdF Nr. 41/2017
    Bd. 41 Nr. 41 (2017)

    Die DDR sei, schrieb 1966 der österreichische Kommunist Ernst Fischer, „nicht das Ergebnis einer eigenen, sondern der russischen Revolution mit nahezu vierzigjähriger Verspätung. Die neuen Produktionsverhältnisse (Enteignung der Gutsbesitzer, der Industrie- und Bankherrn) kamen von außen, durch den Sieg der Sowjetarmee, und mit ihnen zugleich der Überbau mitsamt einer wohlgeordneten Ideologie, die als herrschende zu gelten hatte. Vom Überbau her also war der Aufbau und die Festigung der Basis gleichsam nachzuholen, woraus sich in mancher Hinsicht eine verkehrte Welt mit ungemein schwierigen Problem ergab. Durch das Bewusstsein einer kleinen Minderheit wurde das gesellschaftliche Sein bestimmt. Zerstörte Betriebe mussten instand gesetzt, neue Industrien errichtet, die gesunkene Produktion gehoben, und vor allem, feindselige, misstrauische oder doch abseitsstehende Massen gewonnen werden.“

    Die in der DDR bis 1989 herrschenden Kommunisten waren sich bewusst, was sie der russischen Oktoberrevolution zu verdanken hatten. Sie feierten alljährlich deren Jahrestage und ganz besonders die runden davon. Die 1978 erschienene Geschichte der SED feierte die „große Sozialistische Oktoberrevolution“ als ersten Schritt „in ein Zeitalter, in dem die Ausbeutung in jeglicher Form beseitigt ist, in dem es keine Unterdrückung des Menschen durch den Menschen und keine Kriege mehr gibt. Sie eröffnet eine neue Ära in der Geschichte: die Epoche des Übergangs der Menschheit vom Kapitalismus zum Sozialismus.“ Seit der „großen Proletarischen Oktoberrevolution“ sei die Welt in zwei Lager gespalten, „in das Lager des objektiv zum Untergang verurteilten Kapitalismus und in das Lager des aufsteigenden Sozialismus“.

    Im Vorfeld des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution füllen sich die Schaufenster der Buchläden mit Neuerscheinungen zu verschiedenen historischen Aspekten der bolschewistischen Machtergreifung von 1917 und deren schlimmen Folgen. Oktoberrevolutionsfeste sind Vergangenheit, die Glut des bolschewistischen Revolutionsfeuers ist erloschen. In dieser ZdF-Ausgabe geht es um das Oktoberrevolutionsfieber, das Zeitgenossen unmittelbar nach dem Ereignis erfasste, aber auch noch Jahrzehnte später unter Nachgeborenen ausbrach, wenn die Zeitläufe dafür Inkubationsräume boten.

  • ZdF Nr. 40/2016
    Bd. 40 Nr. 40 (2016)

    Mit dem Wandel der Zeit wandeln sich auch die Formen des Verkehrs der Menschen und Waren. Unter dem Gesichtspunkt der Verkehrsformen betrachtet, offenbaren die gesellschaftlichen Verhältnisse ihre Eigenarten, Zwänge aber auch die Grenzen der individuellen Freiheit. Die Verkehrsformen einer überkommenen Epoche entwickeln sich nach dem Verständnis der kommunistischen Überväter Marx und Engels zwangsläufig zu einer Fessel der Produktivkräfte. Deswegen sei es unausweichlich, „daß an die Stelle der früheren, zur Fessel gewordenen Verkehrsform“ eine „neue, den entwickelteren Produktivkräften und damit der fortgeschrittenen Art der Selbstbetätigung der Individuen entsprechende gesetzt wird“. Am Ende dieser Entwicklung werde der Kommunismus, so die Verheißung der beiden Futurologen in ihrer „Deutschen Ideologie“, alle bisherigen Produktions- und Verkehrsverhältnisse umwälzen, ihrer Naturwüchsigkeit entkleiden „und der Macht der vereinigten Individuen“ unterwerfen. Mit sehr unterschiedlichen Verkehrsformen und der Macht beschäftigt sich diese ZdF-Ausgabe.

  • ZdF Nr. 39/2016
    Bd. 39 Nr. 39 (2016)

    Die Staatskunst galt dem alten Griechen Platon als das ideale staatsmännische Handeln zum Wohle aller. Die Staatskunst war gleichsam die höchste und verantwortungsvollste aller Künste, die alles gesellschaftlich Produktive zu einem großen Ganzen zusammenwebt. Das kommunistische Staatswesen erwartete von den Künsten die Unterordnung unter die Ideologie, Kunst sollte im Sinne der Herrschenden parteilich sein. Ergriffen Künstler aber Partei gegen die herrschenden Ordnungsvorstellungen, bekamen sie die Staatsgewalt zu spüren. Das sozialistische SED-Regime erwartete von seinen Staatskünstlern „schöpferisches Handeln“ zum Wohle der SED-Diktatur. Diese Staatskunst hatte gegenüber den Unterdrückten und Entrechteten im eigenen Lande verantwortungslos zu bleiben. Für sie existierte Unrecht nur in der Vergangenheit oder im kapitalistischen Ausland. Die Schwerpunktbeiträge dieser ZdF-Ausgabe widmen sich der Staatskunst im doppelten Wortsinn.

  • ZdF Nr. 38/2015
    Bd. 38 Nr. 38 (2015)

    Man werde die Bundesrepublik überholen ohne sie einzuholen, lautete Walter Ulbrichts listiges Versprechen aus dem Jahr 1959. Ein Jahr zuvor, auf dem V. SED-Parteitag hatte er den großen Sprung der DDR nach vorn ganz konkret angekündigt: „Wir werden diese geschichtliche Aufgabe erfüllen, wenn es uns gelingt, das Tempo des wirtschaftlichen Aufschwunges zu beschleunigen und in den letzten Jahren des zweiten Fünfjahrplanes, das heißt 1959 und '60 die Produktion auf einigen Gebieten über den Plan hinaus zu steigern. Es ist durchaus möglich, dass die Lebenshaltung in der Deutschen Demokratischen Republik die Lebenshaltung in Westdeutschland schon 1961 übertrifft.“ Doch statt eines Aufschwungs kam es zum kontinuierlichen Niedergang der sozialistischen Planwirtschaft. Deren Zustand und Folgen widmet sich der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe.

  • ZdF Nr. 37/2015
    Bd. 37 Nr. 37 (2015)

    Von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Schweizer Schriftsteller und Übersetzer Urs Widmer stammt der kluge Hinweis, „das Problem des gelebten Lebens ist ja, dass es so strukturlos ist, und Literatur macht nichts anderes, als das gelebte Leben in Form zu bringen“. Auch Geschichtsschreibung versucht, wenn sie es ernst mit ihrem Gegenstand meint, das gelebte Leben in Form zu bringen, seine historische Umwelt zu beschreiben und das Geschehene und Erlebte in einen möglichst konsistent strukturierten Erklärungskontext zu fügen. Wenn sie es denn ernst mit ihrem Gegenstand meint, vermittelt Geschichtsschreibung den Nachgeborenen, was ihre Vorfahren aus ihrem Leben gemacht haben, warum sie es so und nicht anders gelebt haben und welche Konsequenzen ihr Tun oder Lassen für sie selbst, für das Leben anderer, für die Gesellschaft im Kleinen und im Großen zeitigte. Von alters her gibt es aber auch Geschichtsschreiber, die sich der Vergangenheit bedienen, um die herrschenden Verhältnisse und Zustände zu legitimieren, die das Geschehene mit dem Tunnelblick ihrer Weltanschauungen interpretieren und wenn es sein muss auch so umdeuten, dass es für ihr jeweiliges politisches Anliegen nutzbar wird.

  • ZdF Nr. 36/2014
    Bd. 36 Nr. 36 (2014)

    Die Kunst der Filmleute, aus einer guten Idee einen gelungenen Bilderreigen zu machen, ist mit schwerer Arbeit verbunden. Bevor das Endprodukt so leichthin über die Leinwand flimmert, haben in langen und harten Dreharbeiten Regisseure, Kameraleute, Schauspieler, Maskenbildner, Beleuchter, Tonkünstler und Komparsen das Rohmaterial eingespielt, das uns nach weiteren Bearbeitungsschritten schließlich zusammengeschnitten als scheinbar stimmiger Erzählung vor Augen tritt und verzaubert. Der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe kreist um Dreh-Arbeiten, um Dreharbeiten als Filmkunst sowie um die weitverbreitete Lebenskunst, sich nach dem Wind zu drehen, wenn dessen Richtung sich geändert hat. Im Film wie in weltanschaulichen Propagandafeldzügen kommt der Produktion von Illusionen und Imaginationen erhebliche Bedeutung zu. Es muss glaubhaft erscheinen, was sich bei genauerer Betrachtung als völlig irreal herausstellt. Die Wissenschaften zeigten hingegen oft das umgekehrte Ergebnis, indem sie scheinbare Gewissheiten als Illusionen entzaubern.

  • ZdF Nr. 35/2014
    Bd. 35 Nr. 35 (2014)

    Der Einklang von Macht und Musik zieht sich ebenso durch die Geschichte wie die Dissonanzen zwischen Machthabern und ihnen nicht ergebenen Musikmachern. Diktatoren lassen sich gerne von Ton- und Taktstockmeistern umschmeicheln. Schon aus uralten Zeiten sind zahllose Lobgesänge auf üble Herrscher und Menschenschinder überliefert. Doch immer auch gab es Gegenstimmen, brachten Volkes Lieder den Unmut über Unterdrückung und Entmündigung unter die Leute, die es hören wollten. Es waren manchmal nur wenige, mitunter kleinste Kreise, die den unangepassten Klängen und Stimmen ihr Ohr liehen und verstanden, was gemeint war.

    Über die Rolle von Schriftstellern, Malern und bildenden Künstlern, die sich dem National- und Realsozialismus angedient haben, ist viel geschrieben und geforscht worden. Über das Verhältnis zwischen Macht- und Klangwelten wissen wir noch wenig. Musik kann Zustimmung zu den herrschenden Verhältnissen auch ohne Worte in Raum und Zeit tragen. Es musste nicht immer dröhnen, was da zum Wohlgefallen von Weltanschauungskriegern komponiert und gespielt wurde. Manche von ihnen goutierten auch die leisen, romantischen Töne, Flöten und Schalmeien oder das leise Spinett.

  • ZdF Nr. 34/2013
    Bd. 34 Nr. 34 (2013)

    Unter der Oberfläche sieht manches oft ganz anders aus, als der Anschein glauben machen möchte. Verborgene Tiefen und Untiefen, Klippen und der Sog von Unterströmen können jede für sich Folgen haben. Schlüsse und Fehlschlüsse liegen beim Blick auf eine glatte Oberfläche oft nahe beieinander. Im Sinn der Mathematik ist die Fläche eine zweidimensionale Teilmenge des dreidimensionalen Raums. Never judge a book by its cover. In dieser Ausgabe geht es um den Ungeist im Duden, um die Zeitgeisthörigkeit der Historiker, um die Farbe Blau aus Spanien im Zweiten Weltkrieg, um Hintergründe einer Verhaftungswelle nach diesem Krieg, um schmutzige MfS-Geschäfte mit Gold und Spitzeln, um das Ende der SED in Wien und um zwei Amtschimmel in der Stasiunterlagenbehörde, außerdem natürlich um Bücher über den Kommunismus vor, während und nach der DDR.

  • ZdF Nr. 33/2013
    Bd. 33 Nr. 33 (2013)

    Das Haftwesen ist unter den Bedingungen der Willkürherrschaft in der Tat ein Unwesen. Mit Haftwesen könnten im Wortsinne freilich auch jene armen Wesen gemeint sein, die in Haft genommen worden sind. Was in Charkow 1940 mit gefangenen polnischen Offizieren geschah, wurde von der sowjetischen Geschichtsschreibung bis zuletzt beschwiegen und wird im heutigen Russland meist nur widerwillig zur Kenntnis genommen. Wer aber waren die Täter auf der sowjetischen Seite, die mehrere tausend Gefangene zum Teil eigenhändig ermordet haben und wie wurden diese Massenverwaltungsverbrechen ausgeführt und hernach vertuscht? Nach der Niederschlagung des NS-Regimes standen die Gefängnisse in der SBZ zunächst unter sowjetischer Verantwortung. Doch deutsche Dienststellen lernten rasch von der Sowjetunion, wie das sozialistische Haftwesen für Andersdenkende zu organisieren war.

  • ZdF Nr. 32/2012
    Bd. 32 Nr. 32 (2012)

    Machtfragen sind immer auch Gewaltfragen. Eine Gewaltenteilung lehnte die SED ab. Augenwischerei sei dies, die Unterdrückung der Werktätigen durch die Bourgeoisie werde dadurch nicht beseitigt, sondern nur verschleiert. Die schöne neue Arbeiter- und Bauernwelt des Sozialismus wurde von der Sowjetunion in Deutschland als DDR auf den Boden der mitteleuropäischen Tatsachen gesetzt. Das geschah von Anfang an mit Gewalt und Terror gegen Anders­denkende. Am Ende wähnte sich die DDR, stolz sein zu können, da sie weltweit diplomatische Beziehungen unterhielt. Zu einem welt­offenen Land ist sie dennoch nie geworden. Nicht einmal die ausländischen Diplomaten wurden in der DDR nach den Regeln der Gastfreundschaft behandelt. Auch sie galten als potentielle Gefährdung der sozialistischen Ordnungsgesellschaft. Die Staats­macht musste sich ihrer deswegen ebenso umfassend annehmen wie eingeborenen Mitmenschen.

  • ZdF Nr. 31/2012
    Bd. 31 Nr. 31 (2012)

    Das Thema dieses Heftes lautet „Im Gewahrsam". Spätestens mit dem 13. August 1961 wurde offenbar, dass die SED sich ermächtigt fühlte, die gesamte Bevölkerung der DDR in ihren Gewahrsam zu nehmen. Um der kommunistischen Zukunft willen, wurden die Bürger des SED-Staates in Haftung genommen. „Störfrei“ sollte hinter Mauer und Stacheldraht das bessere Deutschland errichtet werden. Immer wenn dabei etwas schief ging, war dafür „der Gegner“ und seine Diversion verantwortlich. Die Irregeführten landeten dann zur Besserung im engeren Gewahrsam der DDR-Sicherheitsorgane. Zu diesen "Gewahrsamsnahmen" finden sich mehrere Beiträge und Zeitzeugenberichte in dieser Ausgabe der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat.

  • ZdF Nr. 30/2011
    Bd. 30 Nr. 30 (2011)

    Das Thema dieses Heftes ist „Das Räderwerk der Geschichte“. Manche hat es hochgezogen und manche zerbrochen. Diejenigen, die glaubten, das Räderwerk im Griff zu haben, waren von ihrer Mission überzeugt. Manche von ihnen, die sich oben auf fühlten, gerieten unter die Räder. Den Biographien von Aktivisten und Bürokraten des Weltbürgerkriegs im 20. Jahrhunderts widmet sich der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe.

  • ZdF Nr. 29/2011
    Bd. 29 Nr. 29 (2011)

    Die „Grenzen des Sozialismus" verliefen durch Deutschand und Europa auf verschiedene Ebenen, aber auch durch den Alltag jedes Einzelnen. Studenten, die diese Grenzen nicht akzeptieren wollten, Köche, welche sich mit kulinarischen Grenzen konfrontiert sahen und die „kleine Flucht" in den Urlaubstagen in Bulgarien, all das sind Beispiele für die verschiedenen Aspekte denen sich der aktuelle Schwerpunkt widmet. Daneben gibt es auch Aktuelles zu berichten, die Konferenz „From Revolution to Transformation: Egypt 2011/ Germany 1989”, welche am 8. Mai in Kairo stattfand, ist Thema der neuen Ausgabe.

  • ZdF Nr. 28/2010
    Bd. 28 Nr. 28 (2010)

    Wer sich als DDR-Bürger bei einem Besuch der „Hauptstadt der DDR“ dem Brandenburger Tor näherte und durch die Säulen gen Westen blickte, war mit seinen Gedanken schnell bei der „Goldelse“, am Bahnhof Zoo und am Ku’damm. Die Gedanken waren so frei, die Realität in der Mitte Berlins freilich nicht. Sie setzte allem, was mehr als ein Gedankenflug hätte werden können, unüberwindliche Grenzen. Erst am Abend des 9. November 1989 war Schluss damit, und eine massenhafte Grenzüberschreitung, wie sie selbst allerkühnste Träumer kaum noch für möglich gehalten hatten, nahm ihren Lauf.

    Allerdings waren Grenzüberschreitungen in der Vergangenheit fast nie so friedlicher Natur, wie jene, die am 9. November 1989 das Ende der deutschen Teilung einleitete. Im Gegenteil: Das belegen die anderen Grenzüberschreitungen, denen sich die Schwerpunkttexte dieser ZdF-Ausgabe zuwenden.

  • ZdF Nr. 27/2010
    Bd. 27 Nr. 27 (2010)

    Künstler, selbst wenn man sie Staatskünstler heißt, waren selten so borniert, dass sie wirklich glaubten, die Weltgeschichte laufe auf die letzte große Schlacht hinaus, die nur einen Sieger kennen werde: den Sozialismus. Statt des letzten Gefechts wartete, historisch betrachtet, allzu oft das letzte Gericht auf die Akteure. So hat es Werner Tübke der SED ins großformatige Stammbuch geschrieben. Das Jüngste Gericht auf der Titelseite dieser Ausgabe ist Teil des Monumentalgemäldes im Panoramamuseum nahe der Stadt Bad Frankenhausen im Thüringischen. Dort, wo ein naiver Thomas Müntzer 1525 aufgebrachte Bauern in eine aussichtslose Schlacht führte, wollte die SED ihr Verständnis von den „Triebkräften der Geschichte“ auf über 1700 Quadratmetern Leinwand verherrlicht sehen. Statt dessen schuf Tübke eine oft schwer begreifliche Allegorie, die sich der parteilichen Deutung entzieht. Nicht das letzte Gefecht, auch nicht die unverdorbene Utopie, sondern das Gericht ist häufig genug der Ort, an dem darüber entschieden wird, welches Recht und welche Ordnung herrschen. „Recht und Ordnung“ ist der Schwerpunkt dieses Heftes.

  • ZdF Nr. 26/2009
    Bd. 26 Nr. 26 (2009)

    Das brüderliche, unverbrüchliche Bündnis mit Sowjetrussland war Herzensangelegenheit eines jeden Kommunisten. Seit der „Oktoberrevolution“ verehrte jeder Revolutionär die Sowjetunion als zweites Vaterland. Linientreue Legenden künden davon, wie es den von den Nazis geschundenen Kommunisten warm ums Herz geworden sei, wenn sie in Berlin an der Sowjetbotschaft vorbeizogen und von drinnen das Bildnis des Volkskommissars für Auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, später Molotow, Kraft spendete wie eine Mutter-Gottes-Ikone. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt hatten die Bilder ihre Wirkung verloren. Themen dieses Heftes sind die vielschichtigen Beziehungen zwischen den deutschen Kommunisten und ihrer übermächtigen Bruderpartei in Russland, Thema ist aber auch das ambivalente Verhältnis zwischen den beiden Staaten, das sich bis in die Gegenwart fortsetzt – über Bruderküsse, Saunabesuche bis hin zur Schlittenfahrt des rot-grünen Bundeskanzlers mit dem lupenreinen Demokraten Putin. Alles „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, alles DSF.

  • ZdF Nr. 25/2009
    Bd. 25 Nr. 25 (2009)

    Das Jahr 2009 ist das Jahr der Gedenktage und Jubiläen. Ein kleines Jubiläum feiern auch wir mit dieser 25. Ausgabe der ZdF. Seit nunmehr 13 Jahren beteiligt sie sich an den wissenschaftlichen Debatten über die jüngere Zeitgeschichte und am Streit um die Bewertung der zweiten deutschen Diktatur, dem zweiten Unrechtsstaat im 20. Jahrhundert, der in den ihm ausgelieferten ostdeutschen „Territorien“ hinter Mauer und Stacheldraht eine „sozialistische Nation“ errichten wollte. Für dieses Zwangsexperiment trugen nicht nur SED und Stasi Verantwortung. Es gab auch Stützen des Regimes, deren Rolle beim Machterhalt nur noch gelegentlich zur Sprache kommt. Über die Mechanismen von Herrschaft und Unterdrückung, über erzwungene, notgedrungene oder freiwillige Kooperation, über Machterhalt durch Gewalt oder über Machmit-Angebote ist noch längst nicht alles gesagt. Stützen des Regimes gab es allerorten in der DDR. Um einige von ihnen geht es in dieser ZdF-Ausgabe.

  • ZdF Nr. 24/2008
    Bd. 24 Nr. 24 (2008)

    Alljährlich, wenn der 9. November herannaht, ist bald auch die Rede vom „Schicksalstag der Deutschen“. Novemberrevolution, Hitlerputsch, der geplante KPD-Aufstand, Pogromnacht und der Fall der Berliner Mauer stehen zwar nicht losgelöst voneinander im historischen Raum, doch Interpretationsgelüste von heutigen Deutern entspringen häufig einem hinterhereilenden Bedürfnis, sich auf Zeitgeisthöhe zu befinden, und nicht dem Bemühen, die Geschehnisse einzuordnen, zuzuordnen und damit einem solchen, in mehrfacher Hinsicht bedeutenden Tag gerecht zu werden.

    Doch es sind nicht nur bestimmte Tage, in denen sich Geschichte verdichtet. Es sind auch die Jahreszahlen, die zum Nachdenken herausfordern. In Tschechien ist mit 2008 gerade ein „8er Jahr“ zu Ende gegangen, in dem sich die Tschechen ausgiebig ihren „Schicksalsjahren“ widmeten: 1918 – 1938 – 1948 – 1968. In Deutschland steht nun ein „9er Jahr“ an: 1919 – 1949 – 1989. In welchem Verhältnis stehen die Gründung der Weimarer Republik, die Doppelgründung von Bundesrepublik und DDR sowie am Ende der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung? Gibt es hier historische Bezüge? Welche aber wären das? Sicher ist, dass es in all diesen Auseinandersetzungen um eine Kernfrage ging, um die „Systemfrage“. Demokratie oder Diktatur lautet daher der Schwerpunkt dieser ZdF-Ausgabe.

  • ZdF Nr. 23/2008
    Bd. 23 Nr. 23 (2008)

    „Während unseres Aufenthaltes in Libyen erhielten wir einen tiefen und nachhaltigen Eindruck, wie die Staatsführung den Ölreichtum zu einer grundlegenden Umwandlung des Landes und des Lebens seiner Bewohner nutzt.“ Im letzen Kapitel seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“ schwärmt Erich Honecker von seinen Begegnungen in Afrika und anderswo. Die dazugehörige Überschrift klingt verheißungsvoll: „Zwischen Manila und Havanna“. Honecker schwamm Ende der siebziger Jahre auf außenpolitischem Erfolgskurs und genoss seine Staatsbesuche, die ihn weit weg führten von der heimischen Wirtschaftsmisere und den bürokratischen Alltagsgeschäften. 1980 hatten 131 Staaten die DDR diplomatisch anerkannt – genügend Raum für eine eigene Diplomatie, sollte man meinen. Doch welchen Spielraum hatte die DDR überhaupt als diplomatischer Akteur? Die Bilder vom frohgelaunten Honecker im Sommeranzug konnten die meisten seiner Gastgeber jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass da ein Duodezfürst vor ihnen stand. Die DDR blieb außenpolitisch das, was sie innenpolitisch war: ein schwacher, abhängiger Staat mit eingeschränkter Souveränität. DDR-Diplomatie und Diplomatie in der DDR sind Schwerpunkt dieser Ausgabe.

  • ZdF Nr. 22/2007
    Bd. 22 Nr. 22 (2007)

    Die „allseits gebildete sozialistische Persönlichkeit“ war oberstes Gebot der DDR-Bildungspolitik. Schule und Erziehung sollten so auf die Jugend einwirken, dass sich sozialistische Weltanschauung und Moral in ihren Köpfen verwurzelten. Dahinter stand das Kalkül: Wenn schon die Elterngeneration dem Aufbau des Staates reserviert gegenüberstand, so sollten die Kinder es besser ausfechten und die Linie der Partei um so kraftvoller umsetzen – ob in der Wissenschaft, in der Kultur oder in der Landesverteidigung.

    Das die Ziele und Interessen des einzelnen identisch seien mit denen des Staates, war die Illusion. Doch was der Staatspartei gesetzmäßige Entwicklung schien, empfand die Jugend oft nur als Gängelband. Schließlich gehören Renitenz gegen die vorgefundene Welt und ihre Autoritäten zum Initiationsprozess jeder nachwachsenden Generation. Seine eigene rebellische Jugend hatte manch betagter Genosse schon vergessen, der nun oben im eigenen Staat saß und mit strengen Vorgaben unbeirrt Staatsbildung betreiben ließ, selbst wenn die Fundamente des kühnen Überbaus bald Risse zeigten.

  • ZdF Nr. 21/2007
    Bd. 21 Nr. 21 (2007)

    Wahrscheinlich war das Estrel-Convention-Center in Berlin-Neukölln genau der richtige Ort. Ob nun die Beatles, Elvis Presley oder Frank Sinatra – verstorbene Stars finden dort noch eine Bühne, wenn die Originale längst unter der Erde liegen. Da ist es nur folgerichtig, wenn sich am Vorabend des 17. Juni die ostdeutsche PDS mit westdeutschen Altlinken gerade im Estrel zusammengetan hat, um eine ganz neue vereinigte Partei zu gründen, die alsbald die Systemfrage stellen will, wie der Co-Vorsitzende Lothar Bisky ankündigte. Damals bei der SED hieß das noch – weniger vernebelt – Machtfrage. Und die wollte die alte Einheitspartei immer für sich entscheiden. Es kam anders. Vom Pommer Hans Modrow bis zum Saarländer Oskar Lafontaine hatte sich Mitte Juni eine Herrenrunde präsentiert, der die Parallelen zu den Altvorderen der SED offenbar gar nicht auffiel. War der Gründungsparteitag der Partei „Die Linke“ eine Show der großen Illusionen wie die allabendliche Wiederauferstehungam von Abba selben Ortes? Trugbilder sind es allemal. Nebelkerzen, Spiegelungen und perfekte Verstellung sind nicht nur Elemente gekonnter Bühnenshows, sondern gehören auch zum Standardarsenal der Propaganda. Trugbilder und ihre Wirkungen sind der Schwerpunkt dieses Heftes.

  • ZdF Nr. 20/2006
    Bd. 20 Nr. 20 (2006)

    Nach und nach dämmert dem öffentlichen Bewusstsein, dass die Betroffenheit über ethnische Säuberungen nicht auf ausländische Angelegenheiten einzugrenzen ist. Auch Millionen Deutsche, unter ihnen weit mehr Kinder und Frauen als kriegsbeteiligte Männer, wurden Opfer von Vertreibung und Vertreibungsverbrechen. Wer freilich wie einige Gutmensch-Historiker an eine „deutsche Täter-Generation“ glaubt, muss das ignorieren. Aus unterschiedlichen Gründen wurde es den Vertriebenen im Osten und zeitweise auch im Westen des geteilten Landes schwer gemacht, über ihre Lebenserfahrungen und Traumata zu sprechen. Im Westen haftete dem Begriff der Heimatvertriebenen seit Ende der sechziger Jahre das Odium der Entspannungsfeindlichkeit an, die SED-Propaganda agitierte schon in den fünfziger Jahren gegen den „Revanchismus der Vertriebenenverbände“. In der DDR sollte der Sozialismus alle Menschen ohne Unterlass in eine „lichte Zukunft“ führen, da störten rückwärtsgewandte Bindungen an eine verlorene Heimat ebenso wie solche an das Christentum oder die gemeinsame Nation. Im Herrschaftsbereich der SED lebten viele Bürger, die in den letzten Kriegswochen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße geflohen sind oder nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus aus den vormaligen deutschen Ostprovinzen vertrieben wurden. Die ideologische Bearbeitung dieser ohnehin entwurzelten Menschen bot der SED-Propaganda Chancen aber auch Risiken. Chancen, weil man mit den euphemistisch „Neubürger“ oder „Umsiedler“ genannten Flüchtlingen bei der Bodenreform Staat machen konnte und sich neue Loyalitäten erhoffte – Risiken, weil man bei ihnen, nach allem was sie erlebt hatten, kein leichtes Spiel hatte, wenn es etwa um die Vergötterung Stalins oder der Roten Armee ging.

  • ZdF Nr. 19/2006
    Bd. 19 Nr. 19 (2006)

    „Der Jugend Vertrauen und Verantwortung“ war eine der häufigsten Parolen der SED-Führung, wenn es darum ging, die junge Generation für das „Aufbauwerk des Sozialismus“ zu begeistern. Die DDR hat sich selbst gern als Staat der Jugend gesehen, ihre Geschichte ist auch eine Abfolge von Initiativen, Jugendobjekten, Kampfaufträgen, Pfingsttreffen und Gelöbnissen, um die Jugend zu organisieren und einzuschwören als „Kampfreserve der Partei“. Mehr als jede andere soziale Gruppe stand der Nachwuchs im Zentrum der ideologischen Bearbeitung – getreu der Erkenntnis: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!“ Und so prangte auf dem Blauhemd das FDJ-Emblem mit der aufgehenden Sonne, Symbol all der schönen Verheißungen, die noch in der Lebensspanne der Jungen Wirklichkeit werden sollten. Sie würden die ersten sein, die im Kommunismus wohnten. Bis dahin bedurfte es zwar noch harter Anstrengung, doch mit aufgekrempelten Ärmeln, Feuereifer und einem optimistischen Lied auf den Lippen konnte der Sieg nicht mehr fern sein. Es kam anders. Den Zusammenbruch hat die „Kampfreserve“ nicht aufhalten können – und meist wohl auch nicht wollen. Schwerpunkt dieser Ausgabe ist die Lebenswirklichkeit von jungen Leuten in verschiedenen Phasen der DDR-Geschichte.

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