Bd. 22 Nr. 22 (2007): ZdF Nr. 22/2007

Die „allseits gebildete sozialistische Persönlichkeit“ war oberstes Gebot der DDR-Bildungspolitik. Schule und Erziehung sollten so auf die Jugend einwirken, dass sich sozialistische Weltanschauung und Moral in ihren Köpfen verwurzelten. Dahinter stand das Kalkül: Wenn schon die Elterngeneration dem Aufbau des Staates reserviert gegenüberstand, so sollten die Kinder es besser ausfechten und die Linie der Partei um so kraftvoller umsetzen – ob in der Wissenschaft, in der Kultur oder in der Landesverteidigung.

Das die Ziele und Interessen des einzelnen identisch seien mit denen des Staates, war die Illusion. Doch was der Staatspartei gesetzmäßige Entwicklung schien, empfand die Jugend oft nur als Gängelband. Schließlich gehören Renitenz gegen die vorgefundene Welt und ihre Autoritäten zum Initiationsprozess jeder nachwachsenden Generation. Seine eigene rebellische Jugend hatte manch betagter Genosse schon vergessen, der nun oben im eigenen Staat saß und mit strengen Vorgaben unbeirrt Staatsbildung betreiben ließ, selbst wenn die Fundamente des kühnen Überbaus bald Risse zeigten.

Veröffentlicht: 2018-09-24

Rezensionen

  • Angela Schmole, Ilko-Sascha Kowalczuk, Otto Wenzel, Tobias Voigt, Hannes Schwenger, Hubertus Knabe, Tobias Voigt, Christoph Wunnicke, Christoph Wunnicke